Die Geschichte Friesenheims



Friesenheim ist dem Kreis jener rheinhessischen Orte zuzuzählen, die im Gefolge der fränkischen Landnahme entstanden sind. Es finden sich aber schon Siedlungsspuren aus vorgeschichtlicher Zeit. In der Gewann "Spitzäcker" wurde 1975 eine jungsteinzeitliche Siedlung der Rössener Kultur mit typischer Keramik entdeckt. Im Bereich dieser Siedlung traten auch einige Keramikreste der Bronze- oder Eisenzeit auf.
Etliche Funde aus der Hallstatt und Latenezeit sind schon länger bekannt.

Erstmals wird der Name Friesenheim im Jahre 803 im Kodex Fuldensis erwähnt, als der Franke Theotbald Liegenschaften in Dubilesheim und Friesenheim an das Kloster Fulda schenkte.
Einige Forscher bringen den Eintrag im Kodex jedoch mit Friesenheim im Elsass in Verbindung. Der Name ist als ,Heim des Friso' zu deuten; an eine Friesensiedlung ist nicht zu denken.

Das mittelalterliche Dorf umfasste ein Gebiet, das begrenzt wird von der Neugasse im Süden, der Mühlstrasse im Westen, der Selz und dem Dalheimer Bach im Norden und der katholischen Kirche im Osten.

Die Herrschaftsverhältnisse

Um 1190 trug Werner II. von Bolanden von den Wildgrafen die Vogtei und andere Hoheitsrechte über Friesenheim zu Lehen. Die Bolander gaben die ihnen verliehenen Rechte weiter an ihre Versallen. Bevor Otto von Bolanden im Jahre 1322 den Wigand von Dienheim mit Dorf und Gericht belehnte waren der Ritter Heinrich von Selzen und dessen Neffe Peter die Lehensträger. Außer Angehörigen des Geschlechts von Dienheim waren im 14. Jahrhundert noch andere niederadlige Geschlechter mit hoheitlichen Rechten belehnt. Zwischen 1370 und 1380 war Graf Heinrich II. von Sponheim, einer der Erben des Hauses Bolanden, Lehnsherr. Von ihm gingen die Rechte auf dem Erbweg an die Grafen von Nassau über.

1398 belehnte Graf Philipp von Nassau den Wigand von Dienheim mit dem Dorf Friesenheim. 400 Jahre -  bis zum Ende des alten Reiches -  bestand das Lehnsverhältnis zwischen den Nassauer Grafen und den Herren und Freiherrn von Dienheim. Als Ortherren hatten die von Dienheim auch die hohe und niedere Gerichtsbarkeit inne. Verschiedene andere Rechte standen jedoch Kurpfalz zu, wie z. B. das Wildfangrecht, das kaiserliches Lehen war. Das bedeutete, wenn einer auf den kein Herr einen Anspruch erhob, nach Friesenheim zuzog, nach Jahr und Tag Leibeigener der Kurpfalz wurde und nicht etwa den Herrn von Dienheim gehörte. So kam es, dass im späten 17. Jh. alle Friesenheimer Einwohner kurpfälzische Leibeigene waren.

Die Besitzverhältnisse

Bis zum Frieden von Luneville im Jahre 1801, dessen Vertragsbestimmungen die völlige Enteignung des adeligen und geistlichen Besitzes auf der linken Rheinseite vorsah, gehörte der weitaus größte Teil des Ortes und der Gemarkung adeligen und geistlichen Besitzern. Ihre Güter wurden von Erb- und Zeitpächtern gebaut. Größte Grundherren waren die Freiherrn von Dienheim, die drei Hofgüter mit 128, 108 und 40 Morgen Ackerland besaßen. Ihnen gehörte auch die Mühle und das Backhaus. Die Freiherrn von Frankenstein besaßen zwei Güter mit 109 und 105 Morgen, die auf dem Erbweg von dem Geschlecht von Dienheim an sie gekommen waren. Die Freiherrn von Geispitzheim besaßen über 500 Jahre lang als Lehen des Ritterstiftes St. Alban vor Mainz ein Gut von 60 Morgen. Ein weiteres Gut, das 150 Morgen umfasste, ließ das Ritterstift durch Pächter bauen. Das Hospital Odernheim besaß 112 Morgen Feld. Die Pfarrkirche baute 22 Morgen. Dazu erhielt er ein Drittel des großen und kleinen Zehnten.
1721 besaß der größte Bauer etwa 100 Morgen Feld, zwei Bauern hatten je 40 und 30 Morgen. Alles übrige war bäuerlicher Kleinstbesitz, abgesehen von einigem Streubesitz des Adels und der Kirche. In napoleonischer Zeit wurde der zum Nationalgut erklärte adelige und geistliche Besitz versteigert.

Die Landwirtschaft

Überwog bis ins 20. Jh. hinein der bäuerliche Bevölkerungsanteil, so hat sich nach dem 2. Weltkrieg ein tiefer Strukturwandel vollzogen. Eine im Jahre 1907 durchgeführte Berufs- und Betriebszählung erbrachte 94 landwirtschaftliche Betriebe, wobei es sich in der Hauptsache um Kleinbetriebe handelte. Das wird erst deutlich, wenn man eine Zählung vom Jahre 1828 dagegen hält, bei der 41 Bauern und Tagelöhner ermittelt worden waren. Die Besitzaufsplitterung führte zu immer mehr unrentablen Betrieben, so dass sich viele veranlasst sahen, einen zweiten Beruf auszuüben. Die Zählung von 1907 erbrachte denn auch 30 Handwerksbetriebe, die wohl von ein oder zwei Ausnahmen abgesehen, Nebenerwerbsbetriebe waren.
Heute wird fast die gesamte Feldgemark von 8 Vollerwerbsstellen aus bewirtschaftet. Ein Wandel vollzog sich auch in den Anbaugepflogenheiten. Hackfrüchte werden kaum noch ausgebracht, lediglich der Zuckerrübenanbau hat sich gesteigert. Der Anteil der Feldflur ging zugunsten der Neuanlage von Weinbergen zurück. Weinbau wird in Friesenheim seit alters betrieben. Ausdrücklich erwähnt wird er erstmals für 1470. Vor 100 Jahren gab es 31 ha Wingertsfeld, heute sind es 110 ha.
Herrschte früher die Rebsorte Silvaner vor, so nehmen heute die Neuzüchtungen einen großen Platz ein. Nach dem Weinwirtschaftsgesetz werden die Friesenheimer Weine zur Großlage "Gutes Domtal" gezählt. Einzellagen sind Altdörr, Bergpfad und Knopf.

Friesenheim heute

1849 hatte Friesenheim 543 Einwohner, 1980 345, heute sind es etwa 650. Friesenheim ist eine reine Wohnsitzgemeinde mit steigender Einwohnerzahl. In Anlehnung an den Flächennutzungsplan hat die Gemeinde in letzter Zeit zwei Baugebiete erschlossen, ein weiteres wird gerade bebaut.

 

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